Montag, 24. April 2017

Fashion Revolution Week 2017

Heute vor vier Jahren ist es passiert. Da starben 1127 Menschen für die billige Mode. Sie wurden gezwungen in ein Gebäude zu gehen um zu nähen, obwohl dieses am Tag zuvor evakuiert worden war. Andere Firmen, die in dem Gebäude ansässig waren, hielten ihre Mitarbeiter an diesem Tag lieber auf Abstand. Aus gutem Grund. Es waren beängstigende Mauerrisse aufgetreten. Das Gebäude war ohne statische Überprüfung einfach aufgestockt worden. Um 3 (!) Stockwerke.

Aber für die Bekleidungsindustrie zählt - es tut weh - nur das Geld. Ein Menschenleben ist nichts wert. Kaum waren die Arbeiter im Gebäude brach dieses zusammen.

cc Rjan - Dhaka Savar Building Collapse
1127 Seelen, dazu 2438 Verletzte. Mir fehlen die Worte. Meine Fassungslosigkeit angesichts dieser Vernichtung von Menschen aus dem verabscheuungswürdigsten Grund, der mir einfällt - aus purer Gier - kennt keine Grenzen.

Viel hat sich am System nicht geändert seither. Was sich allerdings geändert hat sind die Kunden. Der Prozentsatz derer, denen es nicht mehr wurscht ist wo die neue Hose herkommt und wie der Mensch lebt, der sie produziert hat, steigt stetig. Die Menschen haben begonnen zu hinterfragen und Fragen zu stellen. Unangenehme Fragen.

Und darum geht es am Fashion Revolution Day bzw. der ganzen Fashion Revolution Week. Wir Konsumenten revoltieren und zeigen Wege auf, was man tun kann um dem Modehamsterrad zu entkommen, stellen Fragen à la #whomademyclothes und machen andere, die noch nicht darüber nachgedacht haben auf dieses Thema aufmerksam.

Letzte Jahr gab es Fotos von nähenden Bloggerinnen. Denn wir nähen noch, wir wissen diese Arbeit zu schätzen und die Rechte dieser Menschen sind uns nicht egal!
Dieses Jahr unterstützen wir, weil wir ja nähen und DIY-technisch einfach voll informiert sind, einander mit Tipps and How-to's. Diese Info soll auch Nicht-Nähern da draußen helfen ihre eigene Revolution zu starten; in ihrer Garderobe mit ihrer eigenen Kreativität!

Seid dabei: ihr könnt euch die ganze Woche verlinken.

#haulternative


Heute zeige ich euch, wie ihr einem Shirt, das euch zu langweilig erscheint ein zweites Leben ermöglicht. Ich habe mir ein weißes T-Shirt dafür hergenommen. Erst wollte ich es weiß. Ganz schlicht und dann - ups! - total fad, geht gar nicht. Wegschmeißen oder ewig im Kasten liegen haben, ist aber keine Alternative.
Und da erinnerte ich mich an ein Sujet, das ich auf pinterest gesehen hatte. (siehe Karl und die Tasche)
Hehehe! Der Scherz dahinter, ganz mein Ding.
Dazu das Plus: weniger Aufpepp-Arbeit ist kaum möglich ;-)
Stoffmalfarbe, einen Pinsel, ein paar lange Stecknadeln, ein Stück Karton und ein Sofa. Mehr braucht man nicht.

So geht's:

- Da der Stoff sich unangenehm verzieht, wenn man mit dem Pinsel darauf malt, muß man das Shirt fixieren. Ich habe mit einer Vielzahl von langen Stecknadeln mein Shirt auf das Sofa gepinnt. (Im Bild links zu sehen)



- Um zu verhindern, dass die Farbe den Stoff durchdringt und dann fleckenhaft am Rücken wiederauftaucht, empfiehlt es sich ein Stück Karton in das Shirt hineinzustecken.
Und ja, die Nadeln steckt ihr durch den Karton durch.

- Zur Farbe:
ich verwende handelsübliche Stoffmalfarbe. Man bekommt sie heute fast überall. Die Farbauswahl ist minimal. Es läßt sich aber alles gut mischen. WICHTIG: Achtet darauf Farbe, die für dunkle Stoffe geeignet ist, zu verwenden. Ihr werdet nämlich nicht immer auf weißen Shirts arbeiten.

- Tja, dann muss man einfach nur noch mutig sein.

- Nach dem Beschriften. Trocknen lassen. Für Eilige tut's auch der Fön. Danach kurz heiß drüberbügeln. Das war's!

Noch ein kleines Extra!

Für einen coolen Used-Look, empfehle ich das Bündchen am Hals (geht natürlich auch an den Ärmeln) aufzuschneiden. Man setzt dazu die Schere leicht unterhalb der Mitte an. Das "hintere" Stück Stoff ist damit etwas länger als das Vordere.  (im Bild oben rechts zu sehen).

Und Tadaaa! ein ganz neues Shirt. Müll vermieden und Spaß gehabt!
Dazu empfehle ich eine geflickte Lieblingsjeans und ein gut gekühltes Ginger Ale :-)

Faire Schuhe von Ethletics, faire Weste von hessnatur.

Ich bin kein Fan der kaputten Jeans aus dem Geschäft. Ich meine, frau sollte eine Jeans ihr ganzes Leben lang kennen!
Und die Narben, die sie trägt (die Jeans), sollten von Abenteuern stammen, die man gemeinsam erlebt hat.
Da kann man schon einen großen Beitrag leisten. Also mit dem Selber-die-Jeans-kaputt-machen. Das is mit Sicherheit die umweltfreundlichere Variante.

Und wenn sie dann mal so aussieht, wie die Teile, die heute in den Geschäften hängen, dann schmückt man sie noch einmal. Für die letzte Runde, für die Pension quasi und trägt sie mit Achtung und Freude. Das ist auch eine #Haulternative.
Soweit meine "Ode an die Jeans"!
(wie ich meine Jeans aufpeppt habe, könnt ihr hier lesen)


Jetzt seid ihr dran!
Ihr habt die ganze Woche Zeit (bis Sonntag Mitternacht)
Zeigt den Leuten, wie man sich aushelfen kann in Sachen Mode.
Seid ein Teil der diesjährigen
Fashion Revolution!



Freitag, 21. April 2017

Gelesen, gehört und gesehen KW 16: Bakteriophagen

Heute wird es wissenschaftlich. Es geht um Bakterien, genauer um bakterielle Erkrankungen. Wie ihr sicher wisst, sind die einzige wirklich wirksamen Medikamente gegen Bakterien (so sie der Körper nicht selber abwehren kann!) Antibiotika.
Wir kennen alle die Geschichte, in der Alexander Fleming per Zufall das Penicillin entdeckt hat. Grandios!
Lebensrettend für unglaublich viele Menschen seither.

Das weiße ist das lebende Bakterium. In dem Punkt in der Mitte lebt nichts.
In dem Fall aufgrund der Phagen

Durch den kontinuierlichen, falschen Gebrauch von Antibiotika treten immer häufiger Bakterien in Erscheinung, die Resistenzen entwickelt haben. Soll heißen: die Antibiotika wirken dann nicht mehr. Und das ist insofern bedrohlich, da es nur eine beschränkte Anzahl von Antibiotika gibt. Wenn dann irgendwann wirklich gar kein Antibiotikum mehr hilft, dann, ja dann, sind wir den Bakterien ausgeliefert. Laut Wikipedia sterben in Afrika minütlich (!) 250 Menschen an bakteriellen Infektionen von resistent gewordenen Stämmen.

Gar nicht lustig.

Aber es gibt da noch etwas. Eine Art der Behandlung, die vor den Antibiotika auch in Europa verbreitet war und die jetzt allmählich wieder die Kurve in unser kollektives Gedächtnis kratzt.

Bakteriophagen.

Ein bissi schaut's ja aus wie ein Roboter.  CC
Bakteriophagen sind die natürlichen Feinde der Bakterien. Quasi der Eisbär zu den Robben. Nie gehört? Und doch: logisch. Denn hätten Bakterien keine Feinde, warum haben sie dann nicht längst die Weltherrschaft an sich gerissen?
Eben.
Phagen, so nennt man sie kurz, sind Viren. Gelten allgemein nicht zu den Lebewesen (aber das ist eine andere Geschichte) und man findet sie in Tümpeln, stehenden braunen, leicht ekligen Gewässern. Phagen sind sehr spezifisch. Soll heißen, sie fressen immer nur eine, eine ganz spezifische Sorte Bakterien. Beinahe jedes Bakterium hat also einen ganz eigenen Eisbären.
Das ist medizinisch betrachtet sehr gut, denn das reduziert unerwünschte Nebenwirkungen.

Das Kleine sind Phagen, das Große ist ein Bakterium.  CC

Trotzdem sind Phagen so gut wie unbekannt bei uns und zudem aufgrund mangelnder Studien, die ihre Wirksamkeit beweisen nicht zur Behandlung am Menschen zugelassen.
Das Zentrum der Welt wenn es um Phagenforschung und Phagenmedizin liegt in Tiflis / Georgien. Es gibt dort ein Institut, das seit 1923 durchgehend an und mit Phagen arbeitet. Und was sie vorweisen können, ist durchaus hochinteressant und womöglich eine Rettung für den Rest der Welt.

Es gibt eine große Scheu der aktuellen Medizin aktive Viren in den menschlichen Körper ein- oder aufzubringen, aber genau das machen die Mediziner in Tiflis. Menschen mit resistenten Bakteriuminfektionen werden dort behandelt und ein beachtlicher Teil davon wird geheilt oder wenn nicht, dann ihr Zustand doch deutlich verbessert.

Spannende G'schicht!


Gelesen:
Focus online
Berliner Zeitung

Gehört:
WDR

Gesehen:
Lebensretter Ostblockviren - ein Weg aus der Antibiotikakrise mit Phagen

Donnerstag, 20. April 2017

Magisches Motto - Kontrast

Ich wollte mitmachen und habe die letzten Monate einfach verpasst. Einfach. Den April aber, den hab' ich.
Das Motto war Kontrast. In jeder Art. Und um ehrlich zu sein, wollte ich einfach nicht mit Licht und der Kamera spielen. Ich wollte mit dem Bildmotiv spielen.
Aber was?

Und dann war ich wieder mal unterwegs - ehschonwissen - im Burggarten und da gibt es etwas, das ist voller Kontrast.


Da das Gebäude des österreichischen Parlaments grundsolide an das 21. Jahrhundert angepasst wird (es kriegt Internet und so ;-) müssen die Parlamentarier und alle die da drumherum arbeiten ausziehen. Baustelle.

Und weil weißderKuckuckwarum es kein anderes Gebäude gibt, das die Aufgaben des Parlaments übernehmen kann, hat man kurzerhand ein paar grauschwarze Blöcke aufgestellt. Zwei davon stehen am Heldenplatz und einer steht in einem Hofwinkerl im Burggarten. Ganz versteckt. Der kuschelt sich da richtig rein.

Und das hat schon ganz viel mit Kontrast zu tun.
- schwarz versus weiß bzw. eher hell versus dunkel
- trocken, kubisch versus superduperverschnörkselt
und last but in no way least
- Demokratie versus Monarchie


Hehe!
Ich mag das!



Dienstag, 18. April 2017

KIDS in FASHION - Kinder machen Mode

Habt ihr auch ein Kind daheim, dass mitredet, wenn ihr für es näht? "Bitte kein Pink!", "Ich will einen Drachen drauf, aber einen coolen!" und "Das ist schön kuschelig, das will ich auch!", sind die Dinge, die ich regelmäßig in Variationen zu hören bekomme.

In letzter Zeit bin ich, vor allem bei der kleinen Miss, dazu übergegangen, sie anzuweisen doch bitte aufzuzeichnen, wie sie sich das gewünschte Teil denn in etwa vorstellt.
Wenn man das genau betrachtet, dann sind wir in unserer Vorgehensweise ausnehmend professionell. Und cool. Cool sind wir immer! Das ist uns wichtig.


Und dann entdeckt uns Kids Fashion. Ich schreibe das so verkehrt rum, weil ich angeschrieben wurde, weil ich davon vorher nix wußte. Niente.
Also was ist Kids Fashion?
Die Stadt Wien genauer die Wiener Jugendzentren veranstalten einmal im Jahr einen Designwettbewerb zu dem Kinder aller Altersgruppen gezeichnete Modeideen einreichen können (bis 29. Mai!!). Genau genommen ist dieser Entwurf-Wettbewerb aber eben nur ein Viertel des Modekuchens, der einem da serviert wird.


Zu Beginn stehen die Entwürfe. Teilnehmen kann alles zwischen 4 und 21 Jahren. Zeichentalent irrelevant. Es geht um die Kreativität. Aus den tausenden Einsendungen wählt eine Jury dann Stücke aus, die dann im Zuge einer Modewerkstatt im Sommer von Schülerinnen der Modeschule realisiert/genäht/zusammengebastelt werden.


Dann, weil das gehört halt dazu, gibt es für ambitionierte Schönheiten einen Modelwettbewerb. Wer einmal im Leben auf dem Steg laufen will, kann sich hier versuchen. Aber Vorsicht, es handelt sich um Haute Couture nicht um ready-to-wear! (Hehehe!)

Und zu guter Letzt gibt es dann im Oktober eine Modeschau oder wie man zu neudeutsch sagt eine Fashionshow. So richtig mit PompTrallala. Voll die Gaudi!


Wie mir dieser kreative Wahnsinn bisher entgehen konnte? Keine Ahnung. Ich lebe zwar mitten in der Stadt, ich nähe, bin modisch interessiert, mein Kind zeichnet täglich 5m2 zu, aber wie dem so ist - nie gehört, nix gewußt.

Total begeistert jetzt.

Und das coole ist - weil cool ist wichtig, wie ja bereits erwähnt - diesmal bin ich insofern dabei, als ich im Sommer in diese Werkstatt reinschnuppern darf. Und im Oktober gebe ich mir dann die Modeschau. Ich bin ja nicht so die Society-Queen, aber das muss ich mir anschauen.


Und als Nähmama und Nähbloggerin habe ich natürlich mein Kind dazu überredet, dass sie an der ganzen Geschichte (bitte jetzt mit Quietsch lesen) TEILNIMMT!
Persönlich bin ich ja dann wohl ein wenig parteiisch, aber was soll's. Ist ja noch nicht gesagt, dass die sich ihren Entwurf raussuchen. (Und wenn nicht, dann muß womöglich ich ran - hier auch ein Quietsch bitte. Aber ein ganz anderes! ;-)

Teilnehmen kann jedes Kind zwischen 4 und 21 Jahren.
Einsendeschluss ist der 29. Mai.
Am einfachsten ist man mailt ein eingescanntes Bild mit
Name, Adresse, e-mail Adresse und Angabe des Alters an

Wir sollten nämlich nie vergessen, dass Mode an sich etwas Kreatives, Wunderbares sein kann. Und gerade in Zeiten der Fast Fashion und gerade wenn sich die Industrie die Jungen rauspickt, weil die so leicht zu beeinflussen sind, gerade dann, sollte man ihnen zeigen, was Mode sein kann.
Und zwar auch in der ganz verrückten Ecke!
Unbedingt!

Die Bilder in diesem Post wurden freundlicherweise von

Freitag, 14. April 2017

Gehört KW 15 - Vienna

Heute keine News, heute gibt's Musik. Musik mit ganz viel Herz.

Billy Joel. Vienna.
Kannte ich nicht. Bis vor kurzem. Das erste mal erwähnt hat es - für mich - Billy Joel in einem Interview mit Stephen Colbert. Da zählt er seine fünf eigenen Lieblingssongs auf und da ist "Vienna" eben darunter.
Na, da hab' ich aber schön blöd g'schaut und natürlich sofort reinhören müssen. Wie sich schnell herausgestellt hat - ich muss ja immer ganz viel nachlesen und rumklicken und recherchieren undso ... Leidenschaft - also wie sich eben herausstellte, ist dieser Song ganz ganz viel bedeutungsschwanger.

Billy Joel's Vater ist Wiener. Er hat seine junge Familie früh verlassen und ist aus den USA zurückgekehrt nach Wien. Billy hat ihn erst Jahre später wieder getroffen. In Wien. Und wie er da mit seinem Vater durch die Stadt meanderte, sahen sie eine alte Frau, die den Gehsteig, vor ihrem Haus kehrte. Billy fand das furchtbar. Die arme Alte muss Straßen kehren. Sein Vater erklärte ihm, dass es au contraire eben ganz anders sei. Die alte Frau hatte noch eine Aufgabe in ihrem Leben, die sie mit Würde erledigte und alle würden das so verstehen.
Für Billy Joel eröffnete sich so ein Blick auf das Leben, wie er es in seiner vom Jugendwahn getriebenen Heimat her nicht kannte. Alte Menschen wurden dort aufs Sofa verbannt. Sie wurden quasi abgeschoben und hatten am aktiven Leben keinen Anteil mehr.

Daraufhin schrieb er folgenden Song, den ich seither sicher hunderte male gehört habe und der offensichtlich in mir was zum Klingen bringt, aber eben, wie ich jetzt auch weiß, nicht nur bei mir!



Und als Draufgabe, weil's so schön ist, gibt es tatsächlich eine wienerische Version davon.
Granadas "Wien wort auf di" steht dem englischen Original in nichts nach.
Für wienerisch geübte Ohren eine ausnehmend gut gelungene Übersetzung.


Ich sage nur soviel: nach dem 40x mal hören, wird einem richtig warm ums Herz. In einer ruhigen, seelsamen Art und Weise (und ja, ich weiß, das ist kein Wort)

Habt ein wunderbares Osterwochenende!



Mittwoch, 12. April 2017

Das weiße T-Shirt und die Globalisierung

Der Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza naht, daher gibt es hier für euch wichtige Info.

Heute zeige ich euch anhand eines weißen Shirts, wie das System Mode auch bei niedrigen Preisen funktioniert. Ich mache es kurz, überspringe Einzelheiten. Es geht mir darum für euch ein Bild zu malen. Ihr solltet das wissen, denn ihr seid die Kunden.
Dies hier ist die Kurzversion eines lesenswerten Artikels aus der Zeit.

Baumwolle

Es beginnt mit dem Rohmaterial, der Baumwolle. Baumwolle ist ein wertvoller Rohstoff.
In den USA werden Baumwollbauern vom Staat subventioniert, damit sie im harten Preiskampf mithalten können. Die Farmen sind riesig und das sind auch die Maschinen mit denen gearbeitet wird. Die Konkurrenz lebt in Afrika oder Asien. Diese Farmen sind klein, es wird mit den Händen gearbeitet und ihre Besitzer verdienen viel weniger mit ihrer Ernte. Schlicht aufgrund der kleineren Felder und natürlich .. der fehlenden staatlichen Subvention.
Meist besteht ein billiges Shirt aus amerikanischer Baumwolle. Der amerikanische Steuerzahler hilft somit den Preis des Shirts am Ende der Produktionskette klein zu halten. Die Auswirkungen auf Baumwollbauern in andern Ländern der Welt sind gravierend. 

Die Produktion

Billige Shirts werden in Asien produziert. Bangladesh und Kambodscha sind jene Länder, die über ausreichend Menschen verfügen, die so arm sind, dass sie für einen Mindestlohn bis zu 60 Stunden arbeiten. Für diese Menschen gelten keine Umweltstandards, wenn sie Baumwolle färben oder Leder gerben. Lange leben diese Menschen nicht.

Es gibt Produktionsfirmen, die günstig das komplette Paket anbieten: spinnen, weben, färben und nähen. Am Ende bezahlt der Modekonzern dann 1,40 € pro Shirt. Komplett. Die Baumwolle muss er nicht liefern. Niemals kommt der Konzern mit den Menschen in Kontakt, die sein Produkt herstellen. 


Der Transport

Per Schiff werden die Shirts dann in einem Container nach Europa verfrachtet. Bangladesh-Deutschland kommt auf 2.800 € pro Container. In einen Container passen 34.000 fertige, einzeln verpackte und bereits mit Preisetikett versehene Shirts. Das bedeutet etwa 8cent pro Shirt für die große Reise.
Einige dieser Containerschiffe sind größer als Flugzeugträger - nur so ganz nebenbei!

Filialmiete, Transport innerhalb Europas, die Gehälter der Verkäuferinnen und Buchhalter, Kataloge und Werbeplakate kosten pro Shirt geschätzt etwas über 2 €. 

Der Gewinn

Ich habe nachgeschaut und auf der H&M - Homepage ein weißes Männer-Shirt für 4,99 € gefunden. Man mag es nicht für möglich halten, aber selbst bei so einem billigen Shirt macht man noch so um die 60 cent Gewinn.
Wenn man das Millionenfach verkauft, dann zahlt sich das schon aus!



So und wer glaubt, er/sie könne da ja wohl nicht viel dran ändern, dem seien folgende Zeilen ans Herz gelegt:

Geld regiert die Welt.
Ein alter, ein ausgebrannter Satz. Natürlich bestimmt das Geld, ob Textilarbeiterinnen sich ihr Zimmer mit fünf anderen teilen müssen, was sonst?
Interessant wird der Satz, wenn man fragt, wem das Geld gehört, das über die Erde herrscht. Nicht Bill Gates, dem Gründer des Softwareunternehmens Microsoft, geschätztes Vermögen: 53 Milliarden Dollar. Auch nicht Warren Buffett, dem Finanzinvestor, geschätztes Vermögen: 47 Milliarden Dollar. Der Reichtum der reichsten Männer der Welt ist klein, verglichen mit dem Besitz all derer, die jeden Tag durch die Fußgängerzonen und Shoppingcenter von Los Angeles, London oder Dubai laufen.

Knapp 1,5 Milliarden Menschen, 20 Prozent der Weltbevölkerung, verfügen über genug Geld um sich Kleider von H&M anzuziehen. Soziologen nennen sie: die globale Konsumentenklasse.
Geschätztes Vermögen: 185 Billionen Dollar.

Es sind diese Menschen derentwegen es Werbeagenturen, Topmodels und Imagekampagnen gibt. Sie sind es, die das billige T-Shirt kaufen. Sie sind es, die anfangen könnten, Fragen zu stellen.

entnommen diesem Artikel aus der Zeit.


Eine Billion, solltet ihr das akut nicht zur Hand haben, sind im übrigen 1.000 Milliarden. Wobei eine Milliarde 1.000 Millionen sind. Das läßt eine Billion dann so aussehen: 1.000.000.000.000 ... nur so, als Kieferrunterklappunterstützung! ;-)
Und egal, wie sehr euer Konto gerade im Minus ist, ihr gehört dazu! Ihr seid Teil der 20% der oben erwähnten globalen Konsumentenklasse. Und ihr könntet beginnen Fragen zu stellen.

Für den Fall, dass ihr gerne anderen euer Wissen zur Verfügung stellen möchtet. Anderen, die nicht so solide im Umgang mit Nadel und Faden sind, dann nehmt doch teil an meiner Fashion Revolution Aktion. Wir gedenken der Katastrophe von Rana Plaza und helfen damit den Menschen beim Umdenken.
Mehr dazu hier!

Macht mit!
Denkt um!



Nochmal: "Das Welthemd" ist ein hochinformativer, augenöffnender Artikel aus der Zeit. Dieser mein Blogpost basiert darauf. Wer mehr als meine Kurzfassung verkraftet, liest hier nach! 

Freitag, 7. April 2017

Gelesen KW 14 - die Liebe und die Mathematik

Ich habe einen Mann. Schon länger. Ich kenne ihn seit ich 15 bin und ja, man kann unsere Geschichte romantisch erzählen.
Der Mann dessen Interview ich diese Woche im Tagesspiegel gelesen habe, betrachtet Paare und die Entstehung von Liebe eher mathematisch. Hugo Schmale, 85 Jahre jung, entwickelte den Algorithmus der Partnervermittlung Parship. Hugo ist Psychoanalytiker und arbeitet an der Uni in Hamburg, wo er immer noch Seminare leitet.

Einiges, das er sagte, fand ich wirklich wissenswert.

Ich nehme die Schoki, er die mit Kokos!

Die erste Aussage mit Pfiff war die, dass nur 2 Entscheidungen im Leben wirklich wichtig sind: die eine ist, welchen Beruf ich wähle, die andere mit wem ich lebe.

Weiter ging es damit, dass sich heutzutage sehr viele Paare online finden. Dabei überlassen sie die Vorauswahl einer Maschine. Das ähnelt den Zeiten als noch die Familie die Partner aussuchte.
Das war lange Zeit so bis eine Art "Befreiung" uns die Möglichkeit gab, selbst zu wählen. Für eine verhältnismäßig kurze Zeit suchten und fanden die Menschen einander eigenständig. Mittlerweile ist ein beachtlicher Anteil der Leute jedoch wieder dazu übergegangen sich jemanden aussuchen zu lassen.
Warum? Nun, wir Menschen können uns selber nicht so supergut einschätzen. Oft haben unsere Freunde und eben die Familie ein klareres Bild von uns und von der Person, die zu uns passen würde. Und ein Computer kann mit einem ehrlich beantworteten Fragebogen ein erstaunlich exaktes Profil erstellen und so einen Partner für uns wählen. Tja!

Die Tests bei Parship bestehen aus 27 Schichten. Leute, die zu 100% gleich geantwortet haben, werden einander nicht vorgeschlagen. Ideal ist ein 80% Match. Da gibt es ausreichend Gemeinsamkeiten, aber eben auch noch Raum um Neues zu entdecken. Und das ist wichtig.
Aha!

Ein Bereich in dem man allerdings konform gehen muss, sonst geht's nicht, ist der Bereich "Nähe und Distanz". Ein den-ganzen-Tag-Händchen-Halter und ein Fünf-Minuten-am-Tag-Händchen-Halter können es auf die Dauer nicht miteinander aushalten, so die Erfahrung.

Eigentlich ist der Test ohne Bild angelegt. Denn unsere normierten Attraktivitätsvorstellungen erschweren uns die Sache, so Hugo. Parship hat die Bildoption nachträglich aus taktischen Gründen hinzugefügt.

Na bitte, sag' ich's doch immer!
Er ist schuld!

Mittwoch, 5. April 2017

#HAULTERNATIVE - Fashion Revolution 2017

Die Fashion Revolution steht kurz bevor: am 24. April 2013 ist die Nähfabrik Rana Plaza eingestürzt und es scheint angebracht, als nähende und gerne Mode tragende Frau dabei zu sein, wenn eine Revolution angezettelt wird, die der Kleidung ihren Wert wiedergeben möchte. Und dabei auch gleich der Arbeit, die sie bedeutet . Aber vor allem den Menschen den Respekt zu zollen und sie auch ebenso zu bezahlen, die diese Arbeit leisten.
Sei es am Baumwollfeld, in der Färberei oder in der Nähfabrik.

Wie können wir Nähbloggerinnen unseren Beitrag dazu leisten?
Nun, wir haben Reichweite. Jede einzelne von uns hat zumindest eine Handvoll Leser und nicht alle davon haben sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wo ihre Kleidung eigentlich herkommt.

Nun, ist aber mit purer - furchtbarer - Information die Arbeit nicht getan. Nein, frau muß ihren Lesern Alternativen aufzeigen. Es gilt Wege aufzuzeigen was man tun kann. Selber. Jeder. Eigentlich.

Daher rufe ich euch auf

- Schreibt einen Blogpost und zwar in der Fashion Revolution Week .. also in der
- Woche vom 23. - 30. April 2017 und
- zeigt einen Weg auf, wie man sich kleiden kann und dabei darauf achtet unnötige Ausbeutung und Müllerzeugung zu vermeiden.

Zeigt ihnen eine
Laut Wikipedia ist Haut Couture die "gehobene Schneiderei".
Heutzutage ist es das "gehobene, bewusste Einkaufen", das eine Kunst ist.

- Upcycelt etwas

ein zweites Leben eines Kleidungsstückes hilft nicht nur Müll zu vermeiden. Sei es der Pygiama des Sohnes aus einem alten Shirt des Mannes .. wasauchimmer. Zeigt eure Ideen!

- Repariert etwas

so wie ich meine Jeans aufgepäppelt habe, wie ich die Hosen meiner Kinder flicke und neuerdings auch die Löcher in Wollstrumpfhosen. (wie früher meine Omi) Es mag lächerlich klingen, aber die Leute wissen häufig nicht mehr wie das geht. Verlinkt ein Video mit einer Stopfanleitung (muß nicht euer Video sein!).. helft ihnen, sich zu trauen.

- Second Hand/ Kleidertausch

der Klassiker und die neue Tupperparty quasi ;-) Zeigt ihnen, wie ihr eure Garderobe durch gebrauchte Kleidung aufgepeppt habt.

- DIY

Selbstgemachtes, selbstverändertes. Fehlkäufe, die man mit kleinen Tricks gerettet hat. Shirts, die man gefärbt, bedruckt, bemalt hat. Und natürlich selber genähte Werke. Davon kann man ja nie genug sehen! :-)

- Bewusst Gekauftes

Zeigt die Teile, die ihr gekauft habt, die bio und/oder fair sind. Habt ihr euch einen Mantel nähen lassen oder hat die Freundin eine Kette für euch angefertigt. Zeigt Wege auf, wie man es machen kann, wenn man kauft. Bewußt kauft.


Hier mein Beispiel für euch,
meine HAULTERNATIVE!

Meine steinalte wiederbelebte Jeans (nachzulesen wiewaswo hier)
Selbstgenähtes Shirt (da folgt noch ein Blogpost dazu)
bio und fair gekaufte Weste, Schuhe und Kette

Die Sonnenbrille war teuer und ist sicher nicht fair.
Das schreib' ich hier deswegen dazu, weil eine 100%ige Umstellung
meiner Erfahrung nach noch nicht möglich ist! 


Verlinkt ErklärungsVideos (müssen nicht die eigenen sein) oder Tutorials, die Hilfe bieten. Teilt euer Wissen mit den anderen. Unser Beitrag soll sein, den Leuten zu zeigen, dass es geht! Dass man mit kleinen Handgriffen große Wirkung erzielen kann.

Ihr habt noch ein paar Wochen Zeit, stellt etwas zusammen und verlinkt es in der Fashion Revolution Week dann hier. Teilt euren Beitrag weiters auf Facebook, Instagram und wo ihr sonst noch  präsent seid! Der Hashtag lautet #haulternative.

Fashion Revolution
is here to stay!



Samstag, 1. April 2017

VIENNA MY LOVE - Burggarten Spaziergang im März

Mittlerweile ist ja beinahe der Sommer eingekehrt, aber als ich Mitte März im Burggarten war, war es kalt, war es grau (naja, fast), war es mäßig gemütlich. Trotzdem wirkt der Garten freundlich. Der Februar Spaziergang war ja (nachschauen hier) vom Licht ganz wunderbar. Diesmal war alles so kristallklar. Scharf. Ich hoffe meine alte Kamera konnte das ein wenig einfangen.


Als ich diese Woche vorbeigefahren bin, haben die ersten Bäume geblüht. Man konnte das aus der Ringbim raus gut sehen. Bin daher schon richtig neugierig auf meinen Aprilspaziergang!

Freitag, 31. März 2017

Gelesen KW 13 - eine ganz normal gewordene Woche

Diese Woche eine kurze Dramazusammenfassung aus den USA.


Schwiegersohn hat Bankdirektor getroffen:

Jared Kushner, Schwiegersohn und Senior Advisor to the President, hat sich während der Transition (Amtsübergabe) mit einem russischen Bankdirektor getroffen. Und zwar jener Putinnahen Bank, die von den USA mit Sanktionen belegt wurde. Also mit jemandem, der quasi auf einer schwarzen Liste steht.

CNN

Nunes redet zuerst mal mit dem Präsidenten.

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus Devin Nunes, der ebendiese mögliche russische Einflussnahme auf die Wahl untersuchen soll, lief mit brandheißer, neuer Information zuerst einmal direkt zum Präsidenten und erzählte ihm davon. Im Anschluß dann der Presse. Dem Geheimdienstausschuß aber nicht. Die erfuhren davon über die Nachrichten.

CNN
FAZ

Ivanka ist jetzt auch Assistentin.

Die Tochter des Präsidenten ist vor kurzem ins Weiße Haus gezogen, soll heißen sie hat dort jetzt ein Büro. Zudem erhielt sie eine Security Clearance, damit sie auch Geheimdokumente lesen darf. Kritik wurde laut, dass sie keinerlei Obrigkeit zugeteilt sei und somit auch nicht verpflichtet ist, sich an die Spielregeln zu halten.
Jetzt ist sie Assistant to the President.
Wer nicht weiß, was Nepotismus heißt, kann bei Wikipedia nachschlagen. Man stelle sich vor, Hillarys Tochter hätte ein Büro samt Job im Weißen Haus bekommen.

New York Times

Klimaschutz retour.

Trump glaubt ja nicht an den vom Menschen beeinflußten Klimawandel und deswegen hat er diese Woche ein Dekret unterschrieben, in dem er den Kongress beauftragt Schritt für Schritt Obamas Clean Power Plan aufzulösen. Dieser besagt, dass die USA beginnen auf erneuerbare Energien zu setzen (sanft wohlgemerkt) und steht auch dazu, dass die USA das Pariser Abkommen unterzeichnet haben.
Ach ja und die Kohle - Jobs will er auch wieder schaffen und das obwohl selbst die Kohlebosse sagen, diese Jobs sind weg und überholt, so einfach nicht mehr zu schaffen. Weil sich das Feld geändert hat und die menschliche Arbeit im Wettbewerb mit Solar & Co. auf die Dauer zu teuer ist.

New York Times

Datenverkauf im Internet erlaubt.

Und zu guter letzt (welch grausamer Sarkasmus), wird es demnächst Internetfirmen erlaubt sein (in den USA), mit dem gesammelten Daten der Browser History eines jeden Amerikaners Geld zu verdienen - sprich die Browser History weiterzuverkaufen.
(Anmerkung Browser History: dein Internetbrowser speichert ja, auf welchen Seiten du dich so rumtreibst).
Würde bedeuten: jeder könnte sich die Daten kaufen. Einfach so.

Es sammeln sich Anleitungen, wie man sich - zumindest ein wenig - schützen kann auf einigen amerikanischen Seiten.

New York Times
Washington Post



Und das sind nur die Themen, die mir so adhoc eingefallen. Armes Amerika .. Eine Woche!
In einer Woche. Das gibt einem schon gewaltig zu denken.

Man sollte sich genau überlegen, wem man seine Stimme gibt, und ganz besonders als FRAU.

Dieser Tweet einer Senatorin zeigt die Sitzung, in der über die Gesundheitsversorgung in ihrem Land entschieden wurde. Auch über Mutterschutz, Abtreibung und Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft .. ratet mal .. nicht eine Frau ist auf dem Bild.



Und wer sich von den Populisten mit Fake News und "versehentlich" geteilten Falschinfos fangen läßt und irgendwann anfängt zu denken, dass ein wenig mehr "großer, starker Mann" - Qualitäten doch dem Land ganz gut täten, dem lege ich dieses Stück Musik ans Herz.



Weil sonst hat man da nicht so viel zum Schmunzeln zur Zeit!
Habt ein wunderbares WE!



 
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