Freitag, 17. November 2017

Gelesen KW 46 - vom braunen Fett und der Kälte

Kennt ihr das? Es ist November und es hat das erste mal 5°C draußen und ihr zieht euch an, als würdet ihr eine Freundin am Südpol besuchen? Dick, dicker, Daunen! Das volle Programm!

Dann kommt der Jänner und es wird richtig kalt. Minus 10, minus 15°C und wenn ihr es genau betrachtet, kommt ihr zu dem Zeitpunkt mit der gleichen Anzahl Schichten aus. Und wenn es dann kurz nach der Kältewelle auf 5°C "aufheizt", dann ist euch in all dem Zeug schlicht heiß. Ja, viele gehen dann einfach schon ohne Jacke!

Das ist das braune Fett!

Photo by Emanuel Hahn on Unsplash

Der Körper speichert Energie in Form von Fett. Für die schlechten Zeiten. Wenn die Mammuts eben nicht vor der Höhle vorbeiwandern oder die jagende Männerschaft gerade an einem Schnupfen leidet (Sorry! ) und die Versorgung der Familie dadurch in den nächsten Tagen etwas schmalspuriger ausfällt.
Dafür ist die körpereigene Kornkammer gedacht. Ursprünglich.

Denn Fett liefert, wenn man es zerlegt (und das passiert beim Abbau im Körper) Energie. Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat). ATP ist der "Wechselstrom" unseres Körpers. ATP ist eine geladene Batterie.
Mehr verkneif' ich mir jetzt.

Da der menschliche Körper nun mal ein ziemlich geniales Wunderwerk ist, ist dieserlei einfache Nutzung zwar eine lässige Lösung des Energie-parat-haben-Problems, aber fortschrittlicher und der Spitze der Schöpfung mehr entsprechend, wäre eine multiple Nutzung des Systems wohl allemal ;-)

Photo by Genessa Panainte on Unsplash
Und so überrascht es nicht, dass unsere Energiereserven auch anders genutzt werden können.
Es gibt nämlich neben diesem ENERGIESpeicherfett, das weiß ist, eben auch noch ein anderes Fett. Eben das besagte braune. Braun ist es weil es voll von Mitochondrien (kleine Minikraftwerke) ist. Und wenn man sich die Zellen im Mikroskop anschaut .. also die Zellen, die das Fett dann speichern .. also wenn man sich diese mit Mitochondrien vollgestopften Zellen anschaut, dann wirken die .. braun.
Ganz einfach.

Okay und was tut dieses braune Fett jetzt?
Also die braunen Fettzellen, die können in diese Energiegewinnungskette "Fett zerlegen/ATP gewinnen" insoweit eingreifen, als sie die Zerlegung vom ATP entkoppeln.
Soll heißen:
das Fett wird zerlegt und die Energie, die bei dieser chemischen Reaktion frei wird, wird NICHT an ein ADP (das dann zu einem ATP wird) gebunden. Die Energie wird FREI!
Es wird warm!
Braunes Fett, wenn es abgebaut wird, fungiert wie so ein Wärmepad mit Metallstückchen drin. Bei Bedarf klickst du dieses Metalldingi und es wird warm. In Fett heißt das: deine Hautsensoren senden "kalt" (das entspräche dem Klick) und dein braunes Fett wird warm.

Aha!

Photo by Olia Gozha on Unsplash
Nun hast du aber dein braunes Fett nicht immer parat. Der Mensch hat braunes Fett nicht immer im Angebot. Nein, es muss ihm erstmal kalt sein - richtig kalt - dann lagert er welches an.
Das dauert ein Weilchen. So von November bis zum ersten festen Kalt in etwa ;-)

Bis dahin kann der Körper nur auf eine Art Wärme generieren.
Durch Bewegung. Normale Bewegung und/oder nicht-ganz-so-normale Bewegung. Das wäre dann das Zittern.

Und jetzt noch zum kleinen Staunen folgende Info:
Neugeborene haben einen hohen Anteil an braunem Fett. Weil sie nämlich
1. ein unvorteilhaftes Oberflächen/Volumen Verhältnis haben und somit viel stärker auskühlen können, als Erwachsene und weil sie
2. aufgrund völlig unterentwickelter Skelettmuskulatur nicht zittern können.

Schon lässig!

Gesehen hier im Video des Time Magazine



Nachgelesen auf Wikipedia
Braunes Fettgewebe
Fettgewebe

5 Kommentare

  1. es ist schon sehr verrückt, was das Wunderwerk Natur auf die Beine stellt. danke fürs nachlesen und drüber schreiben!!
    liebe Grüße
    manu

    AntwortenLöschen
  2. Schöpfung ist doch immer wieder spannend!
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  3. Du erklärst einfach toll. Super. Den Aspekt des Bewegens finde ich so wichtig. Wenn wir nicht rausgehen bei Kälte hat der Körper länger mit dem Kälteempfinden zu kämpfen. Jedne November frieren wir und ab Dezember/Januar wirds viel besser. Weil wir uns bewegen. Weil der Körper sich anpasst. Mein Mann erlebt da jedes Jahr wieder beim Radeln. Der November ist hart, nach kurzer Zeit passt der Körper sich aber an und er kann problemlos durch den ganzen Winter zur Arbeit radeln.
    Was für ein großartiges System, unser Körper.

    Janine

    AntwortenLöschen
  4. Ich brauche mehr braunes Fett, immer ;-)
    Liebe Grüße,
    Lee

    AntwortenLöschen
  5. Ich wusste das schon mal. Ich habs vergessen. Schon lang. Jetzt weiß ichs wieder :-)

    AntwortenLöschen

Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

 
© Design by Neat Design Corner